KStA 25.07.2011Große Pläne für das Fortunabad
SPIELELAND Pächter Harry Keller will eine Million Euro investieren - Kaum Besucher am ersten Öffnungstag
VON JOACHIM RÖHRIGInvestor Harry Keller hat das Fortunabad von der Stadt übernommen. Aus dem Becken soll ein Naturbad werden. BILD: RÖHRIG
Bergheim-Oberaußem. Dicke, graue Wolken kündigen den nächsten Regenguss an, das Thermometer zeigt nicht einmal 20 Grad - und weder im großen Schwimmerbecken noch auf der Liegewiese ist an diesem tristen Samstagnachmittag auch nur ein einziger zahlender Badegast. Sein erster Tag als neuer privater Betreiber des Fortuna-Freibades hätte wahrlich besser laufen können. Doch Harry Keller denkt gar nicht daran, Trübsal zu blasen - im Gegenteil: Der agile Wahl-Kölner mit fränkischen Wurzeln sprüht vor Tatendrang: "Dass das Wetter nicht immer mitspielt, muss man einkalkulieren. Aber ich bin absolut überzeugt von meinem Projekt. Auf diesem wunderschönen Gelände wird innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre eine Freibad- und Freizeitlandschaft für jung und alt entstehen, wie man sie in dieser Form bislang weit und breit noch nirgendwo findet."
Ob die ambitionierten Pläne, in die der 52-Jährige mehr als eine Million Euro investieren will, tatsächlich aufgehen, bleibt abzuwarten. Fest steht immerhin, dass die Oberaußemer ihr Freibad, das die Stadt aus Kostengründen eigentlich schon für immer dichtgemacht hatte, dank Keller zumindest für den Rest des Sommers 2011 in gewohnter Form und zu zivilen Preisen weiter nutzen können. Für die nächsten Wochen und Monate, vor allem aber fürs nächste und übernächste Jahr hat sich der Investor dann ganz viel vorgenommen: Auf dem 45 000-Quadratmeter-Terrain solle nach und nach ein "Freizeit- und Abenteuerpark mit attraktiven Angeboten für alle Generationen" entstehen, so Keller. Eine Bobbycar- und Dreiradparcours sowie ein "Wackelpudding"-Spielkissen für die ganz kleinen Gäste würden schon in wenigen Wochen bereitstehen. Folgen sollen unter anderem Spielfelder für Beach-Volleyball, Beach-Fußball- und Beach-Handball, eine Kettcarbahn, ein Hochseil-Klettergarten mit Baumhäusern, Bocciabahnen für die Älteren und Zonen, wo Kinder mit Naturmaterialien bauen und basteln können: "Es wird keinerlei Elektrospielgeräte geben. Alles ist auf Sport, Spaß, Bewegung und Kreativität ausgelegt. Gerade die jungen Besucher sollen sich hier richtig austoben können."
Becken wird zum Badeteich
Auch für das Bad hat der Investor Ideen: "Das große Becken mit der Rutsche bleibt in seiner Größe erhalten, aber ich möchte es zu einer Art Naturfreibad umbauen, das nicht wie ein Schwimmbecken, sondern eher wie ein Badeteich aussieht - ähnlich, wie es das in Mettmann gibt. Um den Teich herum soll eine Strandlandschaft mit viel Sand, Schilf, Bambus, einer Beach-Bar, Hängematten, Strandkörben und ganz viel karibischem Flair entstehen." Mehrere Grillplätze und ein Biergarten runden das Vorhaben ab.
Die Eintrittspreise würden mit dem Zuwachs an Attraktionen zwar steigen, aber bezahlbar bleiben: "Ich möchte, dass Normalverdiener mehrmals im Jahr mit der ganzen Familie kommen können. Da kann ich natürlich keine Phantasialand-Preise machen." Geöffnet sein soll die Anlage stets vom Anfang der Oster- bis zum zum Ende der Herbstferien. Ein Unsicherheitsfaktor sei die Frage, wie viel Geld er in die Modernisierung der bestehenden Schwimmbadtechnik stecken müsse, sagt Keller. Auch gebe es mit dem jetzigen Inhaber des Minigolfplatzes am Freibadrand, wo der Biergarten hin soll, noch keine Einigung. Doch an alldem solle sein Vorhaben nicht scheitern. "Ich will das durchziehen, weil ich weiß, dass es funktionieren wird", verspricht Keller, der ausgebildeter Fitnesstrainer, Betreiber eines Sicherheitsdienstes und derzeit noch Berufssoldat ist. In Kürze wird er beim Bund pensioniert. "Dann könnte ich mir eigentlich ein geruhsames Leben machen. Aber die Hände in den Schoß legen, das geht bei mir gar nicht. Dazu habe ich noch viel zu viele Pläne und Ideen."
Quelle: KStA 25.07.2011